Sehschärfe-Bestimmung
Mit dem bestmöglichen Korrekturglas, um die optimal erreichbare Sehschärfe zu ermitteln.
Eine gute Einstellung der Risikofaktoren senkt das Risiko entscheidend – ganz verhindern kann sie eine diabetische Retinopathie aber nicht. Und weil die Erkrankung unbemerkt beginnt und bei Sehminderung oft schon bleibende Schäden bestehen, ist die regelmäßige Augenuntersuchung mit Pupillenerweiterung so wichtig: Nur die Früherkennung ermöglicht eine rechtzeitige Behandlung.
Die Realität sieht leider anders aus: Nur etwa jeder zweite Mensch mit Diabetes nimmt diese Untersuchung regelmäßig wahr – obwohl das Erblindungsrisiko bei Diabetes stark erhöht ist.

Der richtige Untersuchungsabstand ist individuell. Er ergibt sich aus zwei ärztlichen Einschätzungen: Der Augenarzt beurteilt, ob und wie stark die Netzhaut bereits verändert ist. Der Hausarzt oder Diabetologe schätzt das allgemeine Risiko ein – nach Diabetes-Typ und -Dauer, Blutzucker- und Blutdruckeinstellung, Begleiterkrankungen (z. B. der Nieren) und Sondersituationen wie Schwangerschaft oder Blutzucker-Neueinstellung. Beide Befunde werden über einen standardisierten Untersuchungsbogen ausgetauscht. Als Grundregeln gelten:
Zeitnah nach der Diabetes-Diagnose. (Ausnahme Typ 1: hier kann bis spätestens zum 5. Erkrankungsjahr bzw. 11. Lebensjahr gewartet werden.)
In der Regel nach einem Jahr. Sind keine Netzhautveränderungen und nur geringe Risikofaktoren vorhanden, reichen zwei Jahre. Liegt bereits eine Retinopathie vor, verkürzt der Augenarzt den Abstand je nach Befund.
Bei akuten Sehproblemen (z. B. Rußregen, Sehverschlechterung, Verschwommen- oder Verzerrtsehen) sollten Sie kurzfristig einen Termin vereinbaren. In Sondersituationen wie einer Schwangerschaft wird häufiger kontrolliert – dann mindestens alle drei Monate.
Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei. Sie umfasst mindestens drei Schwerpunkte:
Mit dem bestmöglichen Korrekturglas, um die optimal erreichbare Sehschärfe zu ermitteln.
An der Spaltlampe – vor allem, um eine Linsentrübung (Katarakt) oder krankhafte Gefäße auf der Regenbogenhaut (Rubeosis iridis) auszuschließen.
Das Kernstück. Augentropfen erweitern die Pupille (Wirkung nach ca. 20 Minuten); dann kann der Arzt Netzhaut, Sehnervenkopf und Netzhautrand mit einer Lupe an der Spaltlampe räumlich beurteilen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass nichts übersehen wird – auch ein Makulaödem ist nur so korrekt beurteilbar. Mit einem Foto sind spätere Vergleiche möglich.
Solange die Pupillen erweitert sind, ist das Lesen erschwert und Sie dürfen für einige Stunden kein Fahrzeug führen.
Kommen Sie deshalb nicht mit dem eigenen Auto zum Augenarzt.
In vielen Ländern erfolgt die regelmäßige Netzhautkontrolle nicht durch ärztliche Untersuchungen: Stattdessen werden Netzhautfotos aufgenommen und in spezialisierten Zentren ausgewertet. Hier kommen neben trainierten Untersuchern auch zunehmend Algorithmen zum Einsatz.
Für den Fall eines unauffälligen Befunds wird zur nächsten Routinekontrolle eingeladen. Wird ein auffälliger oder nicht auswertbarer Befund festgestellt, erfolgt die Überweisung zur augenärztlichen Beurteilung.
Die Technik entwickelt sich weiter: Moderne Kameras liefern bei vielen Menschen auch ohne Pupillenerweiterung auswertbare Bilder (Bei engen Pupillen – etwa im höheren Alter oder durch Medikamente – bleibt die Erweiterung aber nötig). Neue Weitwinkelkameras erfassen zunehmend auch eine größere Fläche bis zur Peripherie.

Computerprogramme auf Basis künstlicher Intelligenz können eine selbständige Vorprüfung der Fotos auf eine diabetische Retinopathie vornehmen. Der Untersuchte erhält einen Bericht, der das Risiko und den ungefähren Schweregrad farblich markiert anzeigt. Haftung und Verantwortung bleiben bei dem Anbieter.
Aufnahmetechnik, Programm und die Einbindung in die augenärztliche Versorgung erfordern eine ständige Prüfung und Überwachung.
Ab einem bestimmten Schweregrad wird eine augenärztliche Untersuchung empfohlen. Zwei Einschränkungen sind wichtig:
Damit die Programme möglichst keine Retinopathie übersehen, schlagen sie im Zweifel eher zu oft an. Ein Teil der Alarmmeldungen erweist sich bei der Nachuntersuchung als unbegründet.
Nicht alle Augenerkrankungen werden in einem Foto-Screening erkannt. Daher kann ein falsches Gefühl von Sicherheit entstehen.
Liegt eine Retinopathie vor, können weitere Untersuchungen nötig werden, um das Ausmaß genau zu bestimmen:
Die Bestimmung des Augendrucks ist zumindest bei fortgeschrittener Retinopathie ratsam, um ein Sekundärglaukom („grüner Star“) auszuschließen. Gemessen wird meist mit einem kleinen Messgerät, das auf die zuvor mit Tropfen betäubte Hornhaut aufgesetzt wird – das dauert Sekunden und ist schmerzfrei. Alternativ gibt es berührungsfreie Verfahren mit einem sanften Luftstoß.
Für gezielte Fragen wird ein Farbstoff in eine Armvene gespritzt, der nach kurzer Zeit die Netzhautgefäße erreicht und die Durchblutung sichtbar macht. So stellen sich undichte oder verschlossene Gefäße und Gefäßneubildungen dar, die für die Wahl und Planung der Therapie, etwa einer Laserbehandlung, von Bedeutung sind. Die Untersuchung dauert wenige Minuten. Gelegentlich tritt kurz Übelkeit auf, schwere allergische Reaktionen sind sehr selten. Gut zu wissen: Der Farbstoff färbt den Urin für etwa einen Tag intensiv gelb-orange.
Eine spezielle Kameratechnik erstellt – ohne Eingriff und teils sogar ohne Pupillenerweiterung – dreidimensionale Schnittbilder der Makula. Damit lassen sich Ausmaß und Lage eines Makulaödems exakt bestimmen, ebenso ein Zug auf die Netzhautmitte. Diese Informationen sind wichtig für die Therapieentscheidung (Laser, Medikamenten-Injektion ins Auge oder Operation) und besonders für die Verlaufskontrolle einer Injektionstherapie. Kostenhinweis: Die gesetzlichen Kassen übernehmen die OCT-Untersuchung bei Verdacht auf ein diabetisches Makulaödem und in bestimmten Abständen zur Kontrolle einer Injektionstherapie (teils auch über regionale Sonderverträge).
Eine Weiterentwicklung der OCT-Untersuchung wird durch schnell hintereinander aufgenommene Bilder ermöglicht. Der Computer kann aus den Aufnahmen eine Darstellung der Netzhautgefäße – ganz ohne Farbstoff errechnen, sogar getrennt nach den einzelnen Schichten der Netzhaut. Zusätzlich lässt sich die Durchblutung objektiv in Zahlen fassen, etwa über die Messung der Gefäßdichte der Netzhaut. Minderdurchblutete Areale werden meist zuverlässig erkannt. Als ergänzendes Verfahren ist die OCT-Angiographie etabliert, erfordert aber noch ruhige Fixation und Geduld. Außerdem wird nur ein begrenzter Netzhautausschnitt erfasst, undichte Gefäße (etwa als Ursache eines Ödems) werden – anders als mit der Farbstoff-Untersuchung – nicht direkt erkannt. Bildfehler (Artefakte) müssen in der Beurteilung berücksichtigt werden.